Aufbau Kohlenmeiler 2012 (Teil 1)

Gespeichert von Julia Spill am 9. August 2012 - 0:00

 

Früh, am Morgen des Donnerstags der zweiten Augustwoche, ging es dann ans Eingemachte. Der Schacht aus drei Stangen, die mit Stahlringen verbunden werden, stand bereits, denn unser Köhler Matthias ist einer der ganz aufgeweckten Sorte. Mit vereinten Kräften wurde Meter um Meter Odenwälder Buchenholz um die Meilermitte versammelt. Mit der nötigen Akribie versteht sich, denn das Holz wird an Volumen verlieren und bei unsauberer Aufstellung zu viel Sauerstoff in den Meiler einströmen lassen. Was die Folgen sein können, sollten wir später noch erleben!

Meisterhaft, dicht an dicht, wurden die Meterstücke um den Schacht gepackt, was im Erdgeschoss des Meilers auch noch recht leicht fiel. Dank des variablen Nieder-Beerbacher-Meters sollte das zweite Stockwerk jedoch tückisch werden, denn schwankt die Länge der Holzstücke in der ersten Lage, ist das Fundament für den zweiten Stock ungleichmäßig. Wer aber Menschen wie den Jens und den Andi im Verein hat, der macht sich über solche Lappalien keine Sorgen, denn binnen Minuten steht schweres Gerät auf dem Feld, um dem Weltkulturerbe, dem variablen Nieder-Beerbacher-Meter, zu Leibe zu rücken.

Die zweite Lage Holz wird aufgestellt und mit einem Stück Schnur immer wieder gesichert. Gerade im inneren Bereich der zweiten Lage, denn dort stehen die Meterstücke noch senkrecht und neigen dauerhaft dazu umzufallen, ist diese Maßnahme zwingend erforderlich. Zwischenzeitlich rückte auch unsere Kohlenmeiler-Ausbildungsfachbeauftragte Klaus mit einer ganzen Schar Kinder an, um den ersten Nieder-Beerbacher-Versuchsmeiler zu errichten. Als bekennende Atomkraftgegner sahen wir aber davon ab einen Warmen Brüter zu bauen und widmeten uns lieber der wesentlich komplexeren Aufgabe eines kleinen Schulmeilers.

Aber auch der große Bruder benötigte weiter unsere Aufmerksamkeit und flinke Hände, denn bis etwa 35 Festmeter Holz ihren neuen Bestimmungsort erreicht haben, sind so einige Handgriffe nötig. Außerdem begann die Sonne langsam damit, sich gen Feierabend zu neigen, dabei war das Tagwerk noch nicht vollbracht. Zwar war auch der Köhlernachwuchs bereits fleißig ans Werk gegangen, aber der Routinier lag noch in Führung. Und was mit Hingabe auf der Wiese unterhalb der Burg Frankenstein errichtet wurde, das war schon ein prachtvolles Bild. Gutes, im letzten Winter geschlagenes Buchenholz aus heimischen Wäldern, hervorragend abgelagert und hinreichend trocken, auf seinem Weg Holzkohle zu werden. Noch aber war es zu früh für jubelnde Vorfreude, obwohl der Versuchsmeiler danke Reinhold und Martin rasende Fortschritte machte.

Zudem muss auch genug Zeit für Fachsimpelei bleiben, wie sonst hätten wir unserem Köhler Matthias Löcher in den Bauch fragen sollen, um Löcher im Versuchsmeiler möglichst auszuschließen. Wir haben versucht, Köhler und Anhang es mit bestem Speis und Trank zu vergelten, dass er jede Einzelheit aufs Neue erklärte, egal wer fragte und ganz gleich, wie trivial die Frage erschien. Und doch blieb uns noch viel des Köhlerwissens verschlossen. Erst wenn in den kommenden Tagen der Rauch, weiß und blau, aufsteigen würde, sollte uns auch das eine oder andere Licht aufgehen, von Hitzewallungen und Streicheleinheiten ganz abgesehen.

Im Angesicht der tief stehenden Sonne wurde verbissen darum gekämpft, den Aufbau der Versuchsanordnung abzuschließen. Im letzten Herbst gesammeltes Laub ergoss sich über das Holz, gefolgt vom kühlen Nass aus der Gießkanne, um die Blätter den Windböen nicht als Spielbälle zu opfern. Im Rennen klein gegen groß lag der erste Nieder-Beerbacher-Versuchsmeiler jetzt ganz klar in Führung. Der Gewichtsvorteil von nur etwa fünf Festmetern kam jetzt ganz zum Tragen, denn noch wurde am Hauptmeiler Meterstück um Meterstück angebracht, um den gewünschten Durchmesser zu erreichen. Das gesiebte Erdreich würde die Versuchsanordnung noch bedecken, gestützt vom Laub, sodass es nicht zwischen das Holz rieseln, sondern nur die Luftzufuhr regulieren würde. Aber das ist eine andere Geschichte.